Kategorie: Allgemein

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Nachwort zur 2. Auflage des nunmehr als Hardcover vorliegenden Bands „Zwischentoren“ (2015)

Was bleibt dem Dichter, als das Schöne zu beschwören? Und nach der Wahrheit zu fragen? – Wir leben in einer Zeit, in der sich unser Beharrungsvermögen, im negativen Sinne, zunehmend als unser Verhängnis erweist. Obwohl wir fast wöchentlich in den Nachrichten über die neuesten Niederlagen im Bemühen um den Klimaschutz unterrichtet werden, leben wir weiter so, als käme nichts Bedrohliches auf uns zu. Im Gegenteil: Wir machen „mehr desselben“ Negativen, statt weniger. Eine dumpfe Angst breitet sich aus, auf die manche Zeitgenossen mit dreister Verächtlichkeit reagieren: "Nach mir die Sintflut“, sagen sie und schämen sich nicht, öffentlich dementsprechend zu handeln. Vergeblich wartet man auf die Ächtung unzeitgemäßer (weil egozentrischer) Verhaltensweisen ebenso, wie auf das Erwachen so vieler (gerade auch in der jungen Generation), die weiter den Traum unbegrenzter Ressourcen und grenzenloser Belastbarkeit von Mutter Erde träumen - oder nur „ihren Spaß“ haben wollen. Und welche Art auch immer ausstirbt oder vom Aussterben bedroht ist: Wirklich kümmert es uns nicht, so wenig wie das Schicksal jener Artgenossen, die schon heute unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben (vom Schicksal unserer eigenen Kinder und Enkel zu schweigen). Wir müssen feststellen: Der alte Häuptling hatte recht mit seiner Vorhersage. Aber um Wahrheit und Gerechtigkeit scheint es unserer Zeit immer weniger zu gehen. Vielmehr werden „von höchster Stelle“ der Lüge Tür und Tor geöffnet, sofern diese nur den eigenen Zwecken dient. Was bleibt dem Dichter, in dieser Lage, als auf den Sinn seines Schreibens zu beharren? Er weiß, dass er weder als einzelner…

Vom Wesen eines (echten) Gedichts

Einiges spricht, meiner Erfahrung nach, dafür, gutwilligen Menschen, die wenig bis keine Erfahrung mit Gedichten haben, Erklärungen an die Hand zu geben, welche ihnen den Zugang zum jeweiligen Text erleichtern. Dies kann etwa dadurch geschehen, dass sich der Autor zu den inneren und äußeren Umständen äußert, die zur Entstehung eines Gedichtes geführt haben. Aufschlussreich und sehr bedenkenswert erscheinen mir freilich die folgenden Überlegungen des Mystikers und Trappisten Thomas Merton, aus seiner Abhandlung „Brot in der Wüste“ (Untertitel „Die Psalmen als Weg zur Kontemplation“, Claudius Verlag 2013, übersetzt von Bernardin Schellenberger, S. 81 f): „Die Psalmen sind Gedichte und Gedichte haben einen Sinn – obwohl der Dichter nicht verpflichtet ist, den Sinn, den er darin sieht, unmittelbar jedem klarzumachen, der sich nicht die Mühe machen will, ihn selbst zu entdecken. Aber wenn man sagt, dass Gedichte einen Sinn haben, heißt das nicht, dass sie unbedingt eine praktische Information oder eine ausdrückliche Botschaft vermitteln müssen. In der Poesie werden die Wörter auf eine ganz andere Weise mit einem Sinn versehen, als das bei Wörtern in einem wissenschaftlichen Prosatext der Fall ist. Die Wörter eines Gedichts sind nicht bloß die Zeichen für Begriffe, sondern sie sind auch reich an affektiven und spirituellen Assoziationen. Der Poet verwendet die Wörter nicht bloß dazu, um Erklärungen abzugeben, also Aussagen über Fakten zu machen. Das ist gewöhnlich das Letzte, was ihn interessiert. Er will vor allem Wörter auf eine Weise zusammensetzen, dass sie sich auf eine geheimnisvolle und lebendige Weise gegenseitig aufleuchten lassen und damit den in ihnen verborgenen Assoziationsgehalt…

Jubila & Jodula trifft Lyrik // 9. und 10. Mai 2018

Nachtrag am 24.05.2018: Mitschnitt der Veranstaltung am 9. Mai in Kempten, St. Hedwig. Erster Teil des Abends [audio mp3="https://andreaskoenig-lyrik.de/wp-content/uploads/2018/03/Liveaufnahme_Jubila-Jodula_Andreas-Koenig_Teil-1_klein.mp3"][/audio] Mit freundlicher Genehmigung von Krug und Hecking (Sounzz) GbR, Tim Hecking 19.03.2018: "Jubila und Jodula", das sind Marlene Weissenbach und Hedwig Roth. Zum ersten Mal konnte ich die beiden Schwestern anlässlich eines Versöhnungsgottesdienstes in Hegge, kurz vor Weihnachten, singen, spielen und jodeln hören. Ihre Stimmen, ihre Texte berühren sehr. Beide haben im vergangenen Jahr mein Gedicht "Umkehrschluss" (aus dem Band "Zwischentoren") vertont. Es wird auf ihrer demnächst erscheinenden CD zu hören sein. So entstand die Idee, im Mai zwei gemeinsame Abende mit Liedern und Gedichten zu gestalten (s. Plakat). Die Sängerinnen werden ihre CD vorstellen, ich aus dem "Kreuzgang" und aus "Zwischentoren" lesen und von meiner Lyrik erzählen. Nähere Informationen findet man übrigens unter www.jodula-roth.com. Ich freue mich sehr über das Zusammenwirken und bin schon gespannt auf unsere Veranstaltungen!

Glückliche Tage

Im Sommer dieses Jahres machte mich Prof. Hans Unterreitmeier auf seine Besprechung der Video-DVD „Vom grössten aller Wunder – Betrachtungen über das Wessobrunner Gebet“ von Karl Michael Ranftl aufmerksam. Sie nimmt den Betrachter und Zuhörer mit auf eine musikalisch-meditative Reise zu den Wurzeln des ältesten deutschsprachigen Gedichts christlicher Prägung, interpretiert dieses sprechend, singend, tanzend an verschiedenen, bedeutenden Orten des sog. „Pfaffenwinkels“ in Oberbayern. Dort bin ich aufgewachsen, dort lebt und wirkt der Autor. Seine Tochter Katharina und er geben den alten Worten ihre Stimme und verknüpfen dabei Text, Klang und Landschaft in einzigartiger Weise miteinander. Wer möchte, kann sich über das Werk unter www.kieselklang.de informieren. Das oben wiedergegebene Bild von der Kreuzbergkapelle bei Wessobrunn stammt von Karl Michael Ranftl. Der Überlieferung nach wurden dort einst Mönche des Klosters, auf ihrer Flucht vor den Hunnen, überfallen und ermordet. Davon freilich verrät dieses schöne Winterbild nichts, außer vielleicht demjenigen, der um die wechselvolle, teils auch blutige Geschichte dieses Ortes weiß. Mir hat dieses Bild große Freude gemacht, erinnert es mich doch an „meine Wurzeln“ und an viele glückliche Tage, die ich in und bei Wessobrunn verbringen durfte. Karl Michael Ranftl verdanke ich auch den Hinweis auf die Pfarralpe bei Missen. Als ich im Herbst einmal eine längere Mittagspause hatte, bin ich dort hinaufgewandert, sozusagen seinen Spuren folgend. Geht man noch ein wenig weiter, erreicht man einen schönen Aussichtspunkt oberhalb des Alpsees, wo es sich auch – vor großer Kulisse – gut Brotzeit machen lässt. In der Zeit danach entstand dieses Gedicht:  …

Dank an einen Freund und Kollegen

zum Tod von Dr. Erich Jooß am 28.10.2017 Vor kurzem ist der Kinderbuchautor, Geschichtenerzähler und Lyriker Erich Jooß im Alter von 71 Jahren verstorben. Auch, wenn wir zuletzt nicht mehr in Kontakt standen, so verband uns doch über längere Zeit ein intensiver Austausch: Regelmäßig schickten wir uns Gedichte, die der andere dann kritisierte. Mehr noch: Ganze Manuskripte wurden gelesen und gewürdigt. So nahmen Anregungen und kritische Anmerkungen des Lyrikers Einfluss auf den „Alten König des Maronenhains“ und schärften meinen Blick für die eigenen Bilder. Blinde Flecken füllten sich so – und verbrauchte Bilder oder qualitativ mangelhafte Texte verschwanden. Darüber hinaus fand ein Nachwort Aufnahme in das Buch, über das ich mich heute noch freue – und das mich ehrt. Erich Jooß war es ein Anliegen, Gedichte zu schreiben, die man verstehen kann, und ich mochte und mag die Klarheit und Einfachheit seiner Texte sehr. Immer habe ich sie wie „Schwarzbrot“ empfunden: Gutes Brot zeichnet sich bekanntlich dadurch aus, dass man es auch ohne Aufstrich und Auflage genießen kann. Mit klarem Wort und ehrlichem Wesen half er mir, Distanz zu meinen Arbeiten zu finden – auch, wenn manche Kritik Zeit brauchte, um „verdaut“ und damit „nahrhaft“ zu werden. Meist wurde sie es. Unvergessen sind auch die gegenseitigen Besuche und die intensiven Gespräche und Begegnungen, die uns geschenkt waren. Davon mag ein bisher unveröffentlichtes Gedicht Zeugnis geben, das nach unserem letzten Besuch entstanden ist: Fassade (St. Michael, Berg am Laim, München)   Der Engel stach zu … Das Licht ist sanfter mit…

Ein neues Buch ist im Entstehen begriffen

So, wie momentan geplant, wird es in mehrfacher Hinsicht ein besonderes sein: U.a. planen mein Verleger und ich, die Gedichte teilweise mit Fotos zu versehen und so ein zusätzliches, spannungsreiches Element hinzuzufügen – das des Dialogs zwischen zwei „Bildwelten“. Zum jetzigen Zeitpunkt soll noch nicht mehr verraten werden. Erscheinen wird der Band vielleicht noch im Herbst oder Winter dieses Jahres. Noch gibt es eine Menge zu tun, so wie immer, wenn ein Projekt seine druckreife Form finden soll. An dieser Stelle aber gilt schon mein Dank Herrn Dr. Schuster für sein verlegerisches Engagement und seine Unterstützung meiner Arbeiten, aber auch Frau Christa Pantke, die ja bereits das Titelbild zum Band „Zwischentoren“ beigetragen hat, und die nun mehrere Bilder zu Texten angefertigt hat, welche im Raum Passau verortet sind. Dabei hat sich bereits in berührender Weise gezeigt, wie der oben erwähnte Dialog entsteht – hier zwischen der Fotografin, die mit dem Gedicht vertraut ist, und ihrer Art, den jeweiligen Ort zu sehen. Herzlichen Dank für all ihre Mühen! – Auch meinem ältesten Sohn möchte ich danken, denn auch er hat sein „fotografisches Auge“ zur Verfügung gestellt – und mir viel dabei geholfen, Texte und Bilder zusammenzufügen. Sobald Näheres mitgeteilt werden kann, wird dies an diesem Ort geschehen. Jetzt, da der Herbst begonnen hat, möchte ich diesen Eintrag mit einem Gedicht beenden, passend zur Jahreszeit:   Schafe im Tal (Blick vom Schlossanger bei Pfronten) I Bild deiner Bilder II Auf der Augenweide grast die Herde, der ich fehle III Im Herbst bin…